Anna und Birgit

Anna und Birgit

Mittwoch, 13. August 2014

Nach den Kriegen...nur ein oder zwei Millimeter...

Und plötzlich ist er ganz wo anders und wird unsanft gegen eine Wand gestoßen. 
"Spinnst du, du Idiot? Ich GEHE hier!" flucht ein griegrämiger Mann in gelbem Anzug und hastet weiter.
Was ist denn nur passiert...? er greift sich grübelnd an den Kopf. Oh verdammt, die Zeitmaschine...
"Welches Jahr haben wir?" fragt er eine verkniffen dreinschauende Frau in gelbem Kostüm.
"2497 du Klorbo!" faucht sie ohne stehen zu bleiben.
Sie hat funktioniert!!!

Alle um ihn herum tragen gelb. Wieso gelb? 
Er muss in einer Stadt gelandet sein. Die Straße ist breit und voller Menschen. Die Häuser rundherum sind ausnahmslos aus Glas und blitzendem Stahl.
Hoch am Himmel steht die Sonne. Aber sie sieht anders aus...irgendwie blass. Genauso wie der Himmel. 
Die Leute um ihn herum scheinen in Eile zu sein. Alle. Und ihre Gesichter sind freudlos, abgekämpft, erschöpft und wütend. Aber schön. Alle sind schön und perfekt gestylt. Niemand ist alt. Nein, nicht niemand ist alt. Sie sind alterlos. Die Gesichter haben etwas Wächsernes an sich, sie sind starr und reglos und kalt. 

Etwas in seinem Augenwinkel erregt seine Aufmerksamkeit. Sie trägt schwarz. Sie ist die erste Person hier, die anders aussieht. Sie trägt weder Anzug noch Kostüm sondern ein einfaches schwarzes T-Shirt mit einer schwarzen Hose. Und ihr Gesicht. Kleine Lachfältchen haben sich um ihren Mund gebildet. Ein Mann in gelb rempelt sie unsanft an, doch sie entschuldigt sich nur höflich und lächelt. 

Sie...

"Verzeihung....Sie...haben Sie einen Moment Zeit?" stammelt er. Sie dreht sich um. 
"Wie bitte?" fragt sie und lächelt freundlich.
"Dürfte ich...Ihnen einige Fragen stellen?"
"Worum geht es?"
"Ich...muss einiges über diese Zeit erfahren." versucht er zu erklären.
"Welche Zeit meinen Sie? Den Frühling?" 
"Nein...nicht den Frühling. Das Jahr. 2497." meint er entschuldigend.
Er erschrickt fast, so schallend lacht sie. Ebenso die Menschen die um sie herum hasten. Ihre wütenden Blicke bleiben an der schwarz gekleideten Frau hängen, doch nicht einer von ihnen verlangsamt seinen Laufschritt.
"Komm mit." flüstert sie ihm zu, packt seine Hand und zieht ihn weg. Sie beginnt zu laufen. Schneller und immer schneller, bis sie alle gelben Menschen hinter sich lasst. Er kann kaum mit ihr Schritt halten, aber irgendwie schafft er es doch.

Irgendwann bleibt sie stehen. Sie haben die gelben Menschen hinter sich gelassen und sind in einer kleinen Gasse. Unter einem grünen Fenster neben einer grünen Tür steht ein kleines Tischchen und zwei Sessel. Sie setzt sich und streicht sich das schwarze Haar aus dem von der Anstrengung erröteten Gesicht. Auch er sinkt schwer atmend auf einen Stuhl und trocknet den Schweiß mit dem Ärmel seiner Jacke.

"Das Jahr 2497. Nach dem Großen Krieg - nein stimmt nicht, nach den vielen großen Kriegen. Alle hundert Jahre gibt es einen. Zumindest Daumen mal Pi. Die Formel zur Berechnung ist noch immer nicht perfektioniert, aber laut den neuesten Berechnungen wird der nächste Krieg ich den nächsten 20-30 Jahren stattfinden." sprudelt sie los, "Wir leben unter riesigen Kuppeln die durch Tunnel miteinander verbunden sind weil die ungeschützten Teile der Erde mittlerweile nicht mehr bewohnbar sind. Alles irgendwie dreckig und ungesund und man kann sich wer weiß was für Krankheiten holen. Hier ist alles schön sauber und steril. Du bist in der Kuppel ARZ-423-i gelandet. Keine schlechte Kuppel. Bloß die Leute sind etwas grantig." sie lacht. Laut und schallend, wie auf der Straße vorher. 
Diese Frau...
Ihr lachen wirkt hier fehl am Platz. Aber das scheint ihr egal zu sein.
"Unsere Kinder wachsen nicht bei ihren Eltern auf, sie werden in den Kuppeln ARZ-150 bis ARZ-230 großgezogen und ausgebildet. Eigentlich haben sie auch gar keine Eltern mehr wenn man es bedenkt, sie werden allesamt im Reagenzglas gebildet. Alle Frauen geben im Alter von 15 Jahren eine gewisse Anzahl von Eizellen ab, die besten werden ausgesucht und zur Zucht verwendet. Bei den Männern ist es das gleiche, aber die können ihr Sperma abgeben bis sie 20 sind und sich was dazuverdienen. Aus welchem Jahr kommst du?"

Er schließt seinen Mund als er merkt, dass er geöffnet war und räuspert sich. "Ähm...2094" stammelt er überrascht.
"Das ist ja aufregend!" 
Schon wieder dieses Lachen.
Was hat diese Frau nur an sich...
Es fällt ihm unglaublich schwer zu denken. Sich zu konzentrieren. Und wenn... Er stellt es sich vor. Ihre Lippen zu küssen. Das ist der Moment von dem Benjamin geredet hat...wenn nicht jetzt wann dann? Also tut er es. Er steht auf und umrundet langsam den Tisch. Fast zögernd geht er auf sie zu während ihre großen dunklen Augen ihn forschend mustern. Er nimmt ihre Hand und zieht sie hoch, sodass auch sie steht. 
"Was machst du 2094?" fragt sie leise.
Er zieht sie an sich, legt seine Hand in ihren Nacken und legt seine Lippen auf ihre. 

Die Welt scheint stillzustehen. Keiner der beiden rührt sich.
Das wars. Du Idiot. 
Da beginnt sie sich zu bewegen. Ihre Lippen öffnen sich, nur ein oder zwei Millimeter. Vorsichtig legt er ihr seinen zweiten Arm um die Taille und öffnet auch seinen Mund...

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