Anna und Birgit

Anna und Birgit

Freitag, 9. Mai 2014

Wie kann man ein Grizzly sein?

So Ladies, dann fang ich mal an.

Dieses Zitate suchen ist wirklich schwer. Ist ja nicht so, als würd ich nicht genug kennen oder aufgeschrieben haben oder im Internet finden wenn ich suche, aber die Frage ist doch: über welche von ihnen kann ich schreiben? Welche von ihnen sind es wert, diskutiert zu werden? Oder vielleicht ist die Frage ob sie es wert sind auch der falsche Ansatz. Ich habe jetzt 20min herumüberlegt welches ich denn nehmen soll, und habe mich schlussendlich entschieden. Es ist der Refrain eines Songtextes.

Mal bist du der Jäger, mal bist du der Bär. 
Nur wenn, 
du Bär sein musst, um Gottes Willen, dann kämpf! 
Und ich bin Grizzly jetzt. (Ich bin ein Grizzly jetzt)

Ausgewählt habe ich für meinen ersten Post genau das, weil es viel für mich aussagt. Es hat mich monatelang begleitet, lief rauf und runter, und hat mir aus der Seele gesprochen, auch wenn ich nicht die Kraft hatte es anzuwenden.

Die Phrase: "um Gottes Willen dann kämpf!" sagt genau das aus, woraus uns aller tägliches Leben besteht. Im Endeffekt sind wir doch um so viel öfter der Bär als der Jäger. Auf uns wird Jagd gemacht, uns werden Steine in den Weg gelegt, und wir haben die Wahl: fliehen, kämpfen oder aufgeben? 

Ich habe mich im letzten Jahr eine lange Zeit für aufgeben entschieden. Wobei das keine bewusste Entscheidung war. Ich war so verletzt und enttäuscht, so unendlich tief erschüttert, ich hatte das Gefühl als wäre ich nichts als ein Scherbenhaufen. Das Gefühl innerlich zerbrochen zu sein, auch wenn ich noch normal aussehe. Und wenn man aus nichts als Millionen von kleine Splittern und Scherben besteht, wie soll man da fliehen, geschweige denn kämpfen? Es war hart genug nicht komplett zu zerbrechen. 

Alleine morgens aufzustehen war eine Qual, einzuschlafen beinahe unmöglich, essen eine schiere Unmöglichkeit. Alles ist sinnlos, alles tut weh, und die kleinsten Dinge kosten so unendlich viel Kraft. Man fühlt sich als hätte man den Mount Everest erklommen, wenn man auf die Uni geht und es ohne zu heulen wieder nach Hause schafft. 

Da kann man nicht kämpfen, da kann man nicht laufen, da kann man nur eine Stunde nach der anderen so gut wie möglich hinter sich bringen und hoffen, dass die nächste etwas einfacher wird. Nur ein kleines bisschen. 

Ich habe also dieses Lied gehört. Den Aufruf zu kämpfen, den Aufruf zu leben, den Aufruf sich nicht unterkriegen zu lassen, den Aufruf das Beste draus zu machen. Und es kam mir vor wie ein schlechter Witz. Es ging nicht. Aber ich habe es wieder gehört. Immer und immer wieder. Und irgendwann, zugegeben nach langer Zeit, konnte ich wieder laufen. Immerhin. Das Ziel war nicht mehr die Stunde zu überleben, sondern den Tag. Ein großer Fortschritt, wenn man es bedenkt. 

Und mittlerweile ist es ein hoffnungsvolles Lied für mich.

Das Ziel ist es zu kämpfen. Gegen die Kleinigkeiten im Leben und auch die großen Dinge. Ich kämpfe gegen meine Hausübungen, kämpfe gegen meine Professorin, kämpfe gegen Vorurteile, kämpfe manchmal auch gegen meine Freunde, kämpfe gegen meine eigene Stimmung und meine Faulheit. Denn wenn man aufhört zu kämpfen geht man unter. Und das will ich nicht. Untergehen ist nicht gut. Es gibt ja doch auch schöne Dinge im Leben, und für die lohnt es sich zu kämpfen. Bloß immer geht es eben nicht. Das habe ich auf die harte Tour gelernt, das hat mich beinahe zerstört. Ich werde niemanden verurteilen der nicht kämpft, ich weiß, dass es Momente gibt, in denen man das einfach nicht kann. Aber wenn man die Möglichkeit hat, sollte man sich immer dafür entscheiden der Grizzly zu sein. Denn die, die dich jagen haben es nicht verdient dich zu kriegen. 



Casper - Das Grizzly Lied:

Wollten immer dem Hundeleben entkommen, 
dem Küchentisch aus umgedrehten Kartons 
und weg von Ungeziefern im Kleiderschrank, 
eines Tages mehr sein als Untermieter des kleinen Manns. 
Hatten es anders gedacht, in die Ferne nach Atlanta gemacht. 
Nur Bilder der großen Welt zerschellen ohne Geld in dem Wohnwagenplatz, dort am Rande der Stadt. 
Mama war's satt, war'n einfach arm, einfach mies, 
du warst mal ein Jahr da, dann ein Jahr Krieg. 
Wusst' nie wo das liegt, wann du wieder ma' kommst, 
malte dir Bilder mit Sonnen, jeden Brief an die Front. 
'Mein Sohn' hast du gesagt, da beim schießen im Wald 
'lass dir nie was gefallen, vergiss nie diesen Knall. 
So sehr du dich erschreckst, blick dem Feind ins Gesicht, 
echte Männer stehen wieder auf, nur die Feiglinge nicht!'
 
(2x)
Papa sagte: 'Sohn, nimm mein Gewehr. 
Mal bist du der Jäger, mal bist du der Bär. 
Nur wenn, du Bär sein musst 
um Gottes Willen, dann kämpf! 
Und ich bin Grizzly jetzt. (Ich bin ein Grizzly jetzt)

Und du sagtest auch: 'Wenn das Leben nur Zitronen gibt, 
mach verdammt nochmal Limonade draus. 
Sprich gerade raus, Kinn hoch, nie feige, Sohn. 
Spiel nicht mit Herzen, oder denen die das mit deinem tun. 
Wir sind nicht reich, werden's nie sein. 
Probleme für's Leben zu groß, für's Sterben zu klein. 
Du weißt, es regnet nicht ewig, immer nur schwer, 
nur stets zum Kinn und höher, Zeit schwimmen zu lernen. 
Zu gern ich immer da wär, kommt es hart auf hart, 
nimm die Faust, Finger raus. 
Such den Größten der Bande, spring da drauf, schwing voll aus. 
Verlieren wirst du nur das eine Mal, denn ist alles gegeben, 
denken die nächstes Mal zwei mal nach. 
Der Sinn des Lebens ist Leben, das wars. 
Der Sinn des Lebens ist leben. 
Jeder tritt auch mal versehendlich daneben, 
Der Trick ist immer die Balance zwischen Nehmen und Geben. 
Karma!

(2x)
Papa sagte: 'Sohn, nimm mein Gewehr. 
Mal bist du der Jäger, mal bist du der Bär. 
Nur wenn, 
du Bär sein musst, um Gottes Willen, dann kämpf! 
Und ich bin Grizzly jetzt. (Ich bin ein Grizzly jetzt)

(5x)
Es wäre heut' nicht wie es ist, 
wär es damals nicht gewesen wie es war 
Der Sinn des Lebens ist leben!

(2x)
Papa sagte: 'Sohn, nimm mein Gewehr. 
Mal bist du der Jäger, mal bist du der Bär. 
Nur wenn, 
du Bär sein musst, um Gottes Willen, dann kämpf! 
Und ich bin Grizzly jetzt. (Ich bin ein Grizzly jetzt)



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