Anna und Birgit

Anna und Birgit

Dienstag, 29. April 2014

"Wieso regst du dich so auf?"

Ein Mann mittleren Alters geht über einen Zebrastreifen. Er kommt gerade aus dem Büro. Aktentasche in der einen Hand, Blumenstrauß in der anderen. Der Blumenstrauß ist für seine Frau, denn die zwei haben heute ihren 23 Hochzeitstag. Im Kopf geht er noch einmal schnell durch, was er denn nun alles braucht um seine Überraschung perfekt zu machen. Er hat ein romantisches Candlelightdinner geplant. Er möchte seiner liebsten einen schönen Abend bereiten, mit allem Pipapo. Dafür muss er jedoch noch schnell einkaufen im Supermarkt.
Gerade als er bei Petersilie angekommen ist, streift ihn ein Radfahrer an der Seite und zerfetzt dabei den Blumenstrauß. „Ach her je, der hat es aber eilig, hoffentlich ist ihm nicht passiert“, denkt er sich, streift ein Paar Blütenblätter von seinem Ärmel und geht weiter.
Da er nun einen neuen Blumenstrauß braucht, macht er einen schnellen Abstecher, zum Floristen, der sowieso am Weg liegt. Dort angekommen, sucht er schnell einen passenden Strauß aus und geht zur Kasse um zu bezahlen. Als die Verkäuferin jedoch die Kreditkarte durch den Scanner zieht, kann dieser die Karte nicht lesen. Mit dem Gedanken die Karten bei der Bank kontrollieren zu lassen, holt er sein Portemonnaie raus und bezahlt schnell mit Bargeld. 
Da er aber nun kein Bargeld mehr hat, huscht er schnell eine Tür weiter in die Bank. Dort lässt er auch schnell die Karte checken. Auf dem Weg hinaus, sieht er auf seine Uhr. „Mist, schon so spät, das wird nichts mehr mit dem Braten. Spaghetti müssen heute eben reichen.,“ denkt er sich und tritt auf den Gehsteig. Da rauscht -diesmal von der anderen Seite - erneut ein Radfahrer an ihm vorbei, streift ihn, und nimmt die Blumen gleich mit. „Heute haben es aber viele eilig. Naja, es soll einfach nicht sein, dass ich Blumen mitbringe,“ denkt er sich und macht sich auf dem Weg zum Supermarkt. Dort kauft er schnell alle Utensilien die er braucht für Spaghetti mit Fleischbällchen und eilt nach Hause.
In der Wohnung abgekommen, packt er sofort alles aus, krempelt die Ärmel seines Lieblingshemdes auf, und macht sich ans schnibbbeln. Noch bevor er die zweite Zwiebel schälen kann, hört er die Klingel sturmläuten. Stirnrunzelnd öffnet er die Tür. Frau Schmoll - die schon etwas älter ist- steht völlig aufgelöst vor der Tür. „Schnell kommen sie, er erstickt. Er erstickt.“ Sie muss wohl von ihrem Dackel „Waldo“ reden. Das arme Tier ist fast so alt wie seine Besitzerin. Ohne Umschweife packt er die Frau am Ellbogen und eilt mit ihr in die gegenüberliegende Wohnung. Man kann den Hund schon an der Wohnungstür röcheln hören. Er muss wirklich am ersticken sein. Waldo windet sich am Wohnzimmerboden und ringt schnappatmend nach Luft. Was tut man in so einer Situation? Ohne lange nach zu denken gibt er dem Hund einen ordentlichen Klapps auf den Rücken, bei Menschen funktioniert das ja auch, wenn sie sich an etwas verschluckt haben. Und es klappt. Jedoch hat der Hund den Kopf in seine Richtung gedreht und kotzt ihn erst mal ordentlich voll. Von oben -sein Lieblingshemd- bis unten -sein bester Anzug. „Das hat ja wunderbar funktioniert. Gott sei dank bin ich noch rechtzeitig gekommen“, denkt er sich und lässt die erleichterte Nachbarin allein. 
Zurück in seiner Wohnung zieht er sich schnell um und fährt mir dem kochen fort. Kurze Zeit später hört er den Schlüssel in der Tür. Seine Frau kommt in die Küche und lächelt ihn an. Sie freut sich, dass er für sie kocht. Er wendet sich vom Herd ab und sagt belustigt: „Du glaubst nie, was mit heute schon alles passiert ist“, und er beginnt zu erzählen. Als er am Ende seine Odyssee angelangt ist, lachen beide herzhaft über seine Erlebnisse. Plötzlich steigt der Geruch von verbranntem Essen in seine Nase. Er dreht sich um und findet den Topf am Herd, mit schwarzem, verbranntem Inhalt vor.
"Mir reicht es jetzt!". Er lässt einen Schrei von sich, nimmt den Topf und schmeißt ihn an die gegenüberliegende Wand. Er tobt und wütet und lässt einige blasphemische Wörter fallen.
Seine Frau steht immer noch in der Küche und beobachtet sein treiben. Als er sich einigermaßen wieder beruhigt hat fragt sie: „Wieso regst du dich so auf? Sind doch nur Spaghetti.“


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